Tage am Fluss
Leon entkommt einer polizeilichen Auseinandersetzung um ein besetztes Waldgrundstück. Er ist verletzt und findet bei Sara, der Fährfrau, Hilfe und ein Dach über dem Kopf. Sara, die zurückgezogen mit ihren Hühnern auf dem Bauernhof ihrer verstorbenen
Eltern lebt, will den jungen Mann eigentlich so schnell wie möglich loswerden, aber er macht sich nützlich in Hof und Garten und gewinnt Saras Vertrauen. Leon stammt aus der Gegend und hat die Fähre auf seinem Schulweg benutzt. Allerdings war der Fährmann noch Saras Vater und sie war bereits aus ihrem Elternhaus ausgezogen. So, wie Leon als Umweltaktivist gegen die Abholzung kämpft, wehrt sie sich gegen die Bestrebungen, eine Brücke zu bauen, die ihre Fähre ersetzten und die Landschaft verschandeln würde. Leons Vater ist der Besitzer eines Betonwerks, das sich durch den Brückenbau sanieren könnte, wie Leon dann erfährt. – Die Handlung ist vorhersehbar: Leon und Sara kommen sich trotz des Altersunterschieds nahe und finden in ihrem Widerstand gegen umweltzerstörende Projekte zusammen und eine Zukunftsperspektive. Grundlage ist ein schlichtes Weltbild: hier die moralisch guten Umweltschützer, dort die raffgierigen schlechten Unternehmer. Nicht spannend, wenig überzeugend.
Ruth Titz-Weider
rezensiert für den Borromäusverein.
Tage am Fluss
Jochen Mariss
Kiepenheuer & Witsch (2026)
319 Seiten
fest geb.