Im Überschwang
Die 1942 geborene Schauspielerin Hannelore Elsner erfährt früh den Tod lieber Menschen. Als sie zwei Jahre alt ist, stirbt der ältere Bruder Manfred, mit 8 Jahren verliert sie den Vater und den Großvater. Die Tode vermischen sich mit der bayerischen
Idylle, in der sie aufwächst, und sorgen für eine melancholische Grundstimmung. Man merkt dem Buch an, dass es langsam und in intensiven Gesprächen mit der Lektorin (Stephanie Kratz) entstanden ist. Zeitlich nicht stringent, vielfach assoziativ, bisweilen bruchstückhaft erschließt Elsner nach und nach die Facetten ihres Lebens: die gebrochene Schulzeit, das Verhältnis zur Mutter, der zufällige Weg ins Schauspielfach, wichtige Männerbeziehungen, Mutterschaft, wichtige Projekte, Altern. Besonders intensiv geraten die Zeilen über Niederkunft und Mutterschaft - so widmet sie denn auch das Buch ihrem Sohn Dominik. Es ergibt sich das Bild einer eigenwilligen und unangepassten, zugleich sensiblen und verletzbaren, stets sinnlichen Frau, die das Älterwerden bewusst und in "Achtsamkeit" sich selbst und anderen gegenüber zulässt. Umfangreiches Bildmaterial und persönliche Kommentare zu ihren wichtigsten Filmen runden die Autobiografie ab. - Einschlägig Interessierten gerne empfohlen.
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Im Überschwang
Hannelore Elsner
Kiepenheuer & Witsch (2011)
301 S. : Ill.
fest geb.