Ein zweites Leben

In fast überbordender Detailverliebtheit schildert der Autor zunächst den Aufenthalt von Professor Fohrbeck in einer psychosomatischen Klinik. Er hat nicht nur, nach einer dreißigjährigen erfüllenden Ehe, den plötzlichen Verlust seiner Ehefrau Ein zweites Leben zu verkraften, er kämpft auch um seine berufliche Existenz. Der Leser begleitet den Helden in seine Therapiestunden und Gruppensitzungen und erfährt dabei viel über einschlägige Krankheitsbilder und die psychotherapeutische Praxis in solchen Kliniken. Weil er sich in eine verheiratete Gesangstherapeutin verliebt, gewinnt Fohrbeck sieben Monate nach dem Tod seiner Frau wieder Freude am Leben. Ein "zweites Leben" scheint zu beginnen. Diese obsessive Liebesbeziehung, ihr Aufflammen und Scheitern bilden das doch ein wenig banale Hauptthema des zweiten Romanteiles, zusammen mit einer kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Problemen, wobei sich der Held in der Auseinandersetzung mit seinen universitären Kontrahenten als streitbarer und eloquenter Nachfahre der 68-Bewegung erweist. - Der stark autobiografisch gefärbte Bekenntnisroman des 1943 geborenen Autors ist sicher auch als eine posthume Liebeserklärung an dessen 2004 verstorbene Ehefrau zu lesen. Auch ist dieser angenehm lesbare, mitunter durchaus spannend geschriebene, in gesellschaftspolitischer Hinsicht informative, aber in seiner Ausführlichkeit hin und wieder doch etwas ermüdende Roman nichts für eilige Leser.

Ein zweites Leben

Ein zweites Leben

Michael Schneider
Kiepenheuer & Witsch (2016)

555 S.
fest geb.

MedienNr.: 584803
ISBN 978-3-462-04886-5
9783462048865
ca. 24,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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