Rauhnachttage
Auch in ihrem zweiten Roman bleibt Ina Blatter dem Genre der „Healing Fiction“ und setzt auf eine einfühlsame Geschichte, die Trost und Geborgenheit spendet. Den herausfordernden Alltag der jungen Ärztin Louise unterbricht ein Fahrradunfall,
bei dem ihr Freund Felix verstirbt. Über Weihnachten und den Jahreswechsel zieht sich Louise mit ihrer Trauer und einem Buch über Rauhnacht-Traditionen zurück. In dem Schutzraum einer schönen Wohnung am Meer öffnet sie sich – nach der anfänglichen Skepsis – den ans Heute und Jetzt adaptierten Ritualen des Innehaltens, der Achtsamkeit und der Reflexion. Tee trinken, Sterne beobachten, Träume und Wünsche aufschreiben, Dankbarkeitslisten und Vision Boards aufstellen: Gelingt Louise nach der Zeit der inneren Einkehr eine Neuausrichtung in ihrem Leben? Vielleicht mit dem sympathischen Jakob an ihrer Seite, den sie am winterlichen Strand kennengelernt hat? – Das Buch liest sich geschmeidig; trotz der Zweifel und der Selbstvorwürfe der Protagonistin, die sich die Schuld an dem tragischen Unglück gibt, wird die Geschichte von Zuversicht und Hoffnung getragen. Eine entschleunigende Lektüre nach bewährt funktionierendem Erzählmuster, die für saisonalen Medienbestand geeignet ist.
Slávka Rude-Porubská
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Rauhnachttage
Ina Bhatter
Kiepenheuer & Witsch (2026)
203 Seiten
fest geb.