Wer A sagt ... muss noch lange nicht B sagen
Wohl jeder von uns hat Gewohnheiten, die er als eher lästig empfindet: da gerät man bei einer Kleinigkeit in Rage, fühlt sich immer wieder benachteiligt, obwohl objektiv kein Grund vorhanden ist, bekommt in denselben Situationen immer wieder Panikattacken.
Ursache dieser Gewohnheiten oder "Lebensfallen", wie der Autor des Ratgebers es nennt, ist oft eine Traumatisierung, ein einschneidendes Erlebnis, das man oft vor Jahrzehnten hatte, und dessen man sich gar nicht mehr bewusst ist. Diesen "unliebsamen Geistern aus der Vergangenheit" auf die Spur zu kommen und diese ungewollten Reaktionen zu beheben ist Ziel der Schematherapie, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts vom Psychologen Jeffrey Young entwickelt wurde. Eckhard Roediger, Neurologe, Psychotherapeut und erfahrener Schematherapeut, beschreibt in seinem Buch zunächst das Schemamodell, dann erklärt er in sieben Kapiteln anhand zahlreicher praktischer Beispiele, wie unsere Lebensfallen entstehen, warum wir überhaupt immer wieder darauf hereinfallen, wie man aus diesen lästigen Gewohnheiten herausfinden kann, und bietet zahlreiche Übungen zur "Seelenhygiene" an. - Dieser Ratgeber ist vor allem deshalb zu empfehlen, weil er eine nicht ganz so bekannte psychologische Therapieform detailliert und dabei dennoch auch für den Laien absolut gut verständlich erläutert. Der Autor weiß auch komplexe Sachverhalte interessant und sogar unterhaltsam darzustellen, sodass die Lektüre dieses Buches für jeden ein Gewinn ist.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wer A sagt ... muss noch lange nicht B sagen
Eckhard Roediger
Kösel (2014)
223 S. : Ill.
fest geb.