Ohne festen Boden
Der Mensch plant sein Leben und wird von Krisen der Beziehung, der Umwelt, Finanzwelt und Covid19 Pandemie 'überrascht' und leidet unter Kontrollverlust. Gefühle der Verunsicherung, Ängste, ja Panik entstehen. "Gewissheit ist eine Illusion", schreibt
Rike Pätzold (S. 264). In dieser Offenheit sieht die Autorin die Möglichkeit zu Gestaltung. 'Ambiguitäts-/Ungewissheitstoleranz': Man hält ungewisse Situationen aus, sucht sie auch, um neue Strategien, Lebensmuster zu schaffen. Wagt man sich aus der Komfortzone heraus und lernt Neues, ohne überfordert zu sein, wird keine Panik entstehen, sondern Perspektivwechsel und Anpassung durch Lernen. - Ausnahmesituationen, die die Autorin während des recht abenteuerlichen dreijährigen Segeltörns mit Familie erlebte, dienen als Aufhänger. Die Pandemie, zuerst Krise, da plötzlich ihre berufliche Grundlage wegfiel, erwies sich als Neuanfang im Coaching. Heute berät sie im Umgang mit 'Komplexität und Ungewissheit' Firmen und Organisationen. Mit ihrem Buch hilft sie Leser/-innen, sich mit dem Ungewissen, dem schwankenden Boden der Wirklichkeit anzufreunden und vielleicht sogar, Ungewissheit schätzen zu lernen. Das tut sie auf anschauliche und unterhaltsame Weise. Ab mittleren Beständen empfohlen.
Karola Bartel
rezensiert für den Borromäusverein.
Ohne festen Boden
Rike Pätzold
Kösel (2021)
285 Seiten : Illustration
kt.