Das Buch für alle, die mit Kindern über Gott sprechen wollen, aber nicht wissen, wie
Wir haben etwas verloren. Die Selbstverständlichkeit, mit der Glaube gelebt und von einer zur nächsten Generation weitergegeben wurde, ist einer großen Unsicherheit gewichen. Sollen wir unser Kind taufen lassen? Was überhaupt erzählen wir unseren
Kindern von Gott? Und gleichzeitig stellen Kinder die großen Fragen: Wo war ich, bevor ich geboren wurde? Wo ist die Oma jetzt, nachdem sie gestorben ist? Für diese Gemengelage hat Regina Laudage-Kleeberg dieses Buch geschrieben. Sie behandelt Themen wie „Wer oder was ist denn nun Gott?“, „Taufen oder nicht taufen?“, „Weihnachtsmann oder Christkind“, Rituale, Segnen, Vertragen, Tod und Gewalt. Jedes dieser Kapitel endet mit einer kurzen Zusammenfassung. Ihre Gedanken dazu sind von einer großen Weite; die Lesenden profitieren hier vom distanzierten Blick der Religionswissenschaftlerin, für die Religionen „Sinnsysteme“ sind, verbunden mit ihren Erfahrungen als Mutter von drei Kindern und als Katholikin. In vielen Kapiteln wird deutlich, dass Glaube nicht etwas ist, was noch obendrauf kommt auf all die Anforderungen, die wir im Alltag bewältigen müssen. Eine kleine Änderung der Perspektive genügt oft, um die religiöse Dimension zu entdecken, beim Vertragen, beim gemeinsamen Essen, wenn wir Gutes über andere sagen. Der dahinterstehenden Haltung „Gott in allen Dingen suchen und finden“ widmet Laudage-Kleeberg einen eigenen Abschnitt – und öffnet diese Haltung, die auf Ignatius von Loyola zurückgeht, auch für Menschen, die Gott eher skeptisch gegenüberstehen: „Selbst wenn du Gott als Größe für dich in deinem Leben nicht fassen oder spüren kannst, glaube ich sehr daran, dass die Kraft, das Über-uns-Hinausgehende, die für mich mit Gott verbunden ist, auch für dich eine Logik entfalten könnte.“ Für die Autorin kommt es darauf an, „dass wir uns als Menschen in einen größeren Kontext einfügen dürfen, in etwas, das weit über Individualität, über Gemeinschaft und Gesellschaft hinausgeht.“ Bei dieser allgemein gehaltenen Einordnung lässt sie es aber nicht bewenden. Ihre Kinder hätten ihr gezeigt, schreibt sie, dass sich Gott mitten in ihrem chaotischen, unaufgeräumten Familienleben finden lässt. „Es ist für mich, als ob Gott den Familienalltag durchwebt wie ein goldener Faden, der im Licht plötzlich aufleuchtet und dir ein Lächeln ins Gesicht treibt, der aber die meiste Zeit, wenn gerade kein Sonnenstrahl drauffällt, unauffällig bleibt.“ Das Buch ist kein Ratgeber, bietet also keine Rezepte, wie Gott sich in den Familienalltag einbinden lässt. Es leistet viel mehr: Die Autorin hilft den Lesenden einen (neuen) Bezug zu Gott und Religion zu finden und zu entdecken, wie und wo sie Gott zur Sprache bringen können. Diese Offenheit macht das Buch so lesenswert. (Religiöses Buch des Monats August)
Susanne Körber
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Buch für alle, die mit Kindern über Gott sprechen wollen, aber nicht wissen, wie
Regina Laudage-Kleeberg
Kösel (2026)
207 Seiten
kt.
Auszeichnung: Religiöses Buch des Monats