Der afrikanische Spiegel
Atima Imaoma ist drei Jahre alt, als sie von Menschenhändlern entführt und an eine reiche südafrikanische Familie verkauft wird. Die einzige Erinnerung an ihr Zuhause ist ein kleiner Ebenholzspiegel, den ihr Vater einst für die Mutter als Brautgeschenk
schnitzte. Raquel, die freundliche Tochter der Grundbesitzer, wird fast zu einer Freundin. Doch auch sie kann nicht verhindern, dass Atima schließlich weiterverkauft wird. Die beiden Frauen werden sich nie wiedersehen. Atimas Schicksal ist hart, sie stirbt früh an der Pest. Doch der Ebenholzspiegel, den Atimas Tochter irgendwann aus Dankbarkeit an einen Soldaten verschenkte, gerät auf merkwürdigen Umwegen in den Besitz eines jungen Geigers. Raquel, die inzwischen eine alte Dame ist, besucht dessen Konzert und entdeckt durch Zufall den Spiegel. Der Kreis schließt sich, als Raquel die Tochter ihrer Freundin findet und sie bei sich aufnimmt. - In ganz einfachem, betont zurückgenommenem und gerade dadurch sehr eindringlichem Erzählton berichtet die argentinische Autorin in knappen, vieles nur andeutenden Episoden vom Schicksal eines afrikanischen Mädchens Anfang des 19. Jh. Geschickt verwebt sie deren Geschichte mit der ungewöhnlichen Odyssee eines kleinen Spiegels, der die Schicksale verschiedener Menschen aus verschiedenen Zeiten verbindet und der auf seine Art widerspiegelt, was an Gutem und Bösem in diesen Zeiten passiert. Eine ernsthafte, nachdenklich machende Lektüre für Leser ab 11 Jahren. (Übers.: Renate Weitbrecht)
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der afrikanische Spiegel
Liliana Bodoc
Ravensburger Buchverl. (2011)
123 S. : Ill.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 11