Über Nacht war alles anders

Elfriede Mosenthin wurde 1929 in Birnbaum bei Posen geboren und wuchs zunächst wohlbehütet als fröhliches, unkompliziertes Goldberg-Mädchen auf dem Gutshof ihrer Eltern im Kreise ihrer Geschwister und Verwandten auf. Doch ab 1943 - womit ihre realistische, Über Nacht war alles anders sehr offene und anschauliche Erzählung beginnt - griff Hitlers Krieg in das Leben der Goldbergs ein, holte die Männer an die Front, brachte den Frauen Fremdarbeiter auf den Hof und trieb sie schließlich in die Flucht nach Westen: Tagelang stand Elfi mit ihrer Schwester und deren neugeborenem Baby in überfüllten Zügen, dann kamen sie zu Bekannten ins Sudetenland, von wo sie nach der Eroberung durch die Amerikaner wieder mit tschechischen Schikanen vertrieben wurden und schließlich in Flüchtlingslagern in Bayern verlaust Mutter und Vater endlich wieder trafen. Auch die Umstände und Sorgen mit der Einbürgerung in der neuen Heimat erzählt die Autorin ebenso offen, ehrlich und herzlich: heiraten und mehrfache Mutter werden, Kinder erziehen, Berufsausbildung beenden und lebenslang als Nachtschwester in Landshut arbeiten ... Vor allem die Erlebnisse und Gefühle der jungen Mädchen auf und nach der Flucht gehen dem Leser dieses Buches zu Herzen und lassen ihn an die Millionen Flüchtlinge denken, die Ähnliches mitmachen mussten und heute noch überall auf der Welt erleiden müssen. - Für möglichst viele Büchereien zu empfehlen.

Georg Bergmeier

Georg Bergmeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Über Nacht war alles anders

Über Nacht war alles anders

Elfriede Mosenthin
Rosenheimer (2012)

315 S.
fest geb.

MedienNr.: 364021
ISBN 978-3-475-54148-3
9783475541483
ca. 12,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi
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