Der Schmerz der Engel
Sie könnten gegensätzlicher nicht sein: "Der Junge", der für ein Gedicht die Welt vergisst und der Landbriefträger Jens, der Worte nicht leiden kann. Und doch sind sie gemeinsam unterwegs im unwirtlichen Island - in tobendem Schneesturm einander
vielfach das Leben rettend. Jeder vor ihnen, auch die wenigen Menschen, denen sie begegnen, trägt eine schmerzhafte Geschichte mit sich, doch die des "Jungen", der ohne Eigennamen auskommen muss und den man bereits aus dem ersten Teil der geplanten Trilogie ("Himmel und Hölle", s. BP/mp 09/619) von Stefansson kennt, bleibt schemenhaft. Der Tod ist der heimliche Protagonist des Romans, neben ihm das feindliche Wetter und die abweisende Natur. Mehrfach sind die Grenzen zwischen Leben und Tod fließend. Selten erscheint die menschliche Existenz so fragil und isoliert, menschliche Bindung so zerbrechlich, Gefühl so kostbar. Ein tiefgründiger, anspruchsvoller, packender, trauriger und doch auch tröstender Roman über das Leben am Ende der Welt, wo selbst die Engel in Form von Schnee weinen. Breit empfohlen. (Übers.: Karl-Ludwig Wetzig)
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Schmerz der Engel
Jón Kalman Stefánsson
Piper (2011)
342 S.
fest geb.