Tagebuch eines Mörders
Was geschieht, wenn ein Mann mit einer tödlichen Dosis Zyankali durch die Stadt läuft und dieses Gift auch noch benutzt? Kerstin Ekman beantwortet diese Frage in ihrem neuen Roman, der in Stockholm vor etwa 100 Jahren spielt. Der Arzt Pontus Revinge
liest im Krankenhaus in seinem Tagebuch, in dem er von dieser Mordtat und den Folgen für sein Leben berichtet. Ekman lehnt sich in ihrem Roman an das Skandalwerk "Doktor Glas" des Schweden Hjalmar Söderberg an, der dieses Motiv ebenfalls verwendet, und darin versucht, einen Mord zu rechtfertigen. Dabei verbindet sie in einer fiktiven Begegnung zwischen Revinge und Söderberg beide miteinander, so dass der Eindruck entsteht, Söderberg könnte seine Geschichte vom wahren Fall Revinge übernommen haben. Revinge tötet seinen Arbeitgeber, den Arzt Dr. Skade, heiratet dessen Frau, übernimmt die Praxis, führt eine Scheinehe und fühlt sich zur Stieftochter Frida hingezogen, bewegt sich unsicher und immer ängstlicher seine Entdeckung fürchtend in der Stockholmer Gesellschaft, von der Ekman ein ebenso farbiges wie trübes Bild in klarer kräftiger Sprache zeichnet. Der Leser begleitet Revinge auf seinem von Zweifeln und Ängsten geprägten Weg voller Neugier darauf, ob es wohl gelingt, unentdeckt zu bleiben, also den perfekten Mord zu begehen. - Für alle Leser, die mehr als einen üblichen Kriminalroman wollen, sehr zu empfehlen. (Übers.: Hedwig M. Binder)
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Tagebuch eines Mörders
Kerstin Ekman
Piper (2011)
244 S.
fest geb.