Der weiße Roman
Joseph Haydn komponierte 1785 "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz". Dieses Stück spielte Mirra bei ihrem letzten öffentlichen Auftritt als aussichtsreiche junge Geigerin. Erinnerungsfetzen an diese Zeit tauchen wieder auf, als sie
zwanzig Jahre später erfährt, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann. Im Chatroom stößt sie auf einen "Ferry" und die Erinnerungen lassen sich nicht mehr aufhalten. Was geschah damals mit diesem Mann an der australischen Ninety Mile Beach? Ferry geht es ebenso. Erfolgreich, Familienvater, verfolgt ihn eine unklare Erinnerung an diese eine Nacht am Strand. Beide bindet das Versprechen, sich genau zwanzig Jahre später in Australien wiederzutreffen. So macht sich jeder auf eine Reise, die in ihre Vergangenheit führt. - Jan Arnald, besser bekannt unter seinem Pseudonym Arne Dahl, spinnt diese Liebesgeschichte ein in die Sätze von Haydns Musik. Der Leser rätselt ebenso herum wie die Protagonisten, folgt den ausgelegten Fäden, die teilweise noch weiter in die Vergangenheit führen. Manches wird geklärt, vieles bleibt der Interpretation der Leser überlassen. Am Ende fordert Jesus am Kreuz die Menschen auf, ihr Potenzial zu nutzen und so viel wie möglich aus ihrem Leben zu machen. Ein seltsames Gewirr, das einen nicht loslässt, denn Jan Arnald ist ein Meister der Erzählung, ein Meister der Spannung. Ein Buch zum Fühlen. (Übers.: Susanne Dahmann)
Tina Schröder
rezensiert für den Borromäusverein.
Der weiße Roman
Jan Arnald
Piper (2011)
335 S.
fest geb.