Krieg der Sänger
Legenden, Märchen und Mythen, die sich mit dem für das Jahr 1206 angenommenen "Sengerkrige zu Warpergk" (Sängerkrieg auf der Wartburg) verbinden, haben den Berliner Robert Löhr (Jahrgang 1973) zu einer eigenen lesenswerten Interpretation angeregt.
Indem der Autor auf die Sagengestalt des "Klingsor aus Ungarland" verzichtet, verändert er die in mittelalterlichen Liederhandschriften enthaltenen Überlieferungen. Denn für Löhr ist es nicht Klingsor, der den zum Verlierer erklärten Heinrich von Ofterdingen vor dem Schwert des Henkers bewahrt. Vielmehr entscheidet er sich für Walther von der Vogelweide als Vermittler, der das Herz der thüringischen Landgräfin rührt und deren Gatten, Landgraf Hermann I., als Dank für Gnade lobpreisende Gesänge verspricht. Die durch verletzte Eitelkeit, durch Rachsucht, Täuschung und Verrat sowie durch blinden Gehorsam ausgelöste kriegerische Auseinandersetzung wird durch diese List beendet. Wenn Robert Löhr in einer Rahmenhandlung den sich 1521 auf der Wartburg aufhaltenden Martin Luther mit dem als Chronist des Sängerkrieges auftretenden Teufel konfrontiert, beginnt zwischen beiden ein Diskurs über ethisch-moralische Fragen. Dass es unter strukturellem Aspekt nicht gelungen ist, die einzelnen Romankapitel unter einem durchgängigen Spannungsbogen zu vereinen, stellt ein gewisses Manko dar, das aber durch den Informations- und Unterhaltungswert des Buches ausgeglichen wird.
Kirsten Sturm
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Krieg der Sänger
Robert Löhr
Piper (2012)
316 S. : Kt.
fest geb.