Meine erste Lüge
Luca kommt von der Schule heim und die einsame Mama liegt immer noch im Bett, reagiert nicht, rührt sich auch nicht und ist - tot! Luca weiß sofort, jetzt ist er Vollwaise und kommt ins gefürchtete Waisenhaus. Das will er nicht und deshalb verschweigt
er den Tod seiner Mutter vor aller Welt: in der Schule, im Supermarkt, bei Begegnungen mit Freunden und Nachbarn. Er hält es - zusammen mit seinem Kater Blu und seiner allmählich unerträglich riechenden, im Schlafzimmer eingesperrten Mutter - fast zwei Wochen mit dieser seiner "ersten Lüge" durch: trotz Bargeldproblemen, trotz fehlender frischer Wäsche und Kleidung, trotz des Staubs in der Wohnung, trotz dummer Fragen von nervenden Mitschülern ... - bis er endlich wegen der unaufhörlich tönenden Wohnungsklingel seine Tür öffnen muss! - Die in Mailand lebende Autorin lässt Luca selbst seine schaurige Geschichte mit stoischer, gelassener Ruhe und kindlichem Humor erzählen und den Leser einen kleinen Helden erleben, der seiner leeren Wohnung mit Erinnerungen an frühere selige Kinderzeiten und nun weit geöffneten Fenstern Leben einhaucht und es ganz allein genießt. Trotz des traurigen Kerns eine wunderbar gelassene und tröstlich heitere Geschichte. Für jede Bücherei zu empfehlen. (Übers.: Ulrich Hartmann)
Georg Bergmeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Meine erste Lüge
Marina Mander
Piper (2013)
188 S.
fest geb.