Was bleibt
Fast zeitgleich mit der Niederlegung all seiner Ämter und Funktionen und als Gabe zu seinem 85. Geburtstag haben zwei Freunde Hans Küngs einen Extrakt seiner Kerngedanken veröffentlicht. Daraus wurde so etwas wie ein Katechismus für die gläubige
Küng-Gemeinde, der eingeschärft wird: Küng ist der wahre Aufklärer eines verdunkelten Christentums, der Anwalt der Moderne in der Kirche, der rigoros mit den Traditionen des Glaubens und der Spiritualität umspringt, der davon nimmt, was ihm für seine eigenen Ideen nützlich erscheint und alles andere gnadenlos verwirft, verdammt, vergessen macht. Zu Letzterem scheinen gerade auch die Zentralgeheimnisse des Christentums zu gehören: die Trinität und die in Chalkedon formulierte Lehre von der wahren Gottmenschlichkeit Christi. Küngs Vorstellung von Jesus als dem "Sach-Walter" Gottes ist - ebenso wie seine Aussagen zur Auferstehung - eine Augenauswischerei, die seiner Theologie den christlichen Boden entzieht. Bezeichnend, dass diese "Kursänderung des Glaubens" (L. Scheffczyk) im Spätwerk des Verfassers gar kein Diskussionsthema mehr ist; an dessen Stelle tritt - auch in diesem Buch, das in Anklagen und in triefendem Selbstmitleid seinen wahren Höhepunkt hat - Küngs fortwährender Hader mit der kirchlichen Hierarchie und dem Papst. Was also wirklich von Küng bleibt: der Eindruck einer maßlosen Selbstüberschätzung und Selbstverblendung!
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Was bleibt
Hans Küng
Piper (2013)
335 S.
fest geb.