Die Eifersüchtigen
In dem schon 1937 erschienenen, nun erstmals ins Deutsche übersetzten, recht umfangreichen aber bemerkenswert handlungsarmen Roman des enorm produktiven ungarischen Autors (1900-1989) wird ein kleiner Ausschnitt aus der Geschichte einer imaginären
großbürgerlichen Familie erzählt. Gabor Garren, das Familienoberhaupt, geachteter Bürger und wichtiger Repräsentant einer ebenfalls nicht näher benannten Stadt liegt im Sterben. Und so versammeln sich seine fünf nunmehr erwachsenen, teilweise verheirateten Kinder an seinem Krankenlager um Abschied zu nehmen. Erzählt wird zwar vor allem aus der Perspektive des ältesten Sohnes, dessen bewegtes Liebes- und Berufsleben zunächst einen breiteren Raum einnimmt, der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Zusammentreffen dieser so unterschiedlichen Menschen in den wenigen Wochen des Wartens auf den Tod des Patriarchen. - Bemerkenswert an diesem Roman ist die Ort- und Zeitlosigkeit des Geschehens, so dass allem ein quasi exemplarischer und überzeitlicher Charakter eignet. Die Unwirklichkeit der Szenerie findet sich auf der stilistischen Ebene wieder, wo surreale Passagen mit Szenen von oft hyperrealistischer Detailgenauigkeit korrelieren bzw. kontrastieren. Nicht selten fühlt man sich an die parabolische Erzählweise eines Franz Kafka erinnert. Trotz oft faszinierender sprachlicher Meisterschaft phasenweise auch etwas langatmig. (Übers.: Christina Kunze)
Die Eifersüchtigen
Sándor Márai
Piper (2015)
555 S.
fest geb.