All die gestohlenen Erinnerungen
Die in Deutschland lebende alleinerziehende Französin Irène arbeitet in den Arolsen Archives. Ihre einstige Vorgesetzte und Freundin Eva war selbst eine aus Polen verschleppte Displaced Person. Eva hatte entdeckt, dass frühere Nazis im Archiv arbeiteten
und unerlaubten Zugang zu Dokumenten hatten. Doch erst als Eva längst tot ist und eine Nichte von ihr Nachforschungen über Eva anfordert, erfährt Irène Dinge über ihre Freundin, über die Eva nie geredet hatte. In einem anderen Fall ist es eine abgenutzte Pierrot-Puppe, die Irène zum Schicksal ihres Besitzers und seiner Familie führt. Sie sucht den Kontakt zu Überlebenden und deren Nachkommen, gibt ihnen deren Effekten zurück und informiert sie über alles, was sie über deren ermordete Angehörige recherchieren konnte. – Durch ihre Befragung einer Mitarbeiterin der Arolsen Archives konnte Nohant ihre mitfühlende Protagonistin und deren engagierte Arbeitsweise glaubwürdig zeichnen. Neben dem fiktiven Geschehen lässt Nohant viele Zahlen, Daten und Fakten über das brutale Vorgehen der Nazis in ihren Roman einfließen, sodass dieses interessante Buch nicht nur betroffen macht, sondern auch vor neuen rechtsextremen Strömungen warnt.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
All die gestohlenen Erinnerungen
Gaëlle Nohant ; aus dem Französischen von Alexandra Baisch
Piper (2024)
428 Seiten
fest geb.