Dämmerung
Der Roman beginnt mit dem „Winterkrieg“ zwischen Finnland und Russland im Jahr 1939. Schauspielerin Molly ist mit ihrer Theatergruppe, teils unter russischem Beschuss, quer durch ihre Heimat nach Schweden unterwegs. Ihr Freund Henry, ein Journalist,
steht als Kriegsberichterstatter an der Front. Henry schreibt in seinen wenigen Feldpostbriefen nur wenig von dem grauenhaften Kampfgeschehen. Molly dagegen feiert Erfolge und ist während ihrer Tournee in Sicherheit. Als der Krieg im März 1940 mit einem fadenscheinigen Frieden und großen Gebietsverlusten für Finnland endet, kehren sowohl Molly als auch Henry wieder nach Helsingfors zurück. Beide sind aber nicht mehr dieselben wie vor Monaten. Henry ist von den Bildern der Kämpfe gezeichnet. Ihn plagen Albträume und er möchte die Realität des Krieges in seinen Zeitungsartikeln beschreiben, niemand hat daran aber noch ein Interesse. Als er seine Besuche in einem Sanatorium für schwer traumatisierte Soldaten, die jetzt als Neurotiker und Feiglinge diskreditiert werden, schildern will, wird er kaltgestellt. Dazu kommen Eifersuchtsszenen mit seiner Freundin, die sowohl auf der Bühne als auch im Film immer erfolgreicher wird. Henrys Frust, die Missachtung seiner journalistischen Arbeit, seine Alkoholexzesse und Depressionen führen in der Folge zum Scheitern ihrer Beziehung. 1941 tritt Finnland an der Seite Hitlers in den Krieg ein. Henry muss wieder an die Front und fällt. – Dieser Roman ist nicht nur die Schilderung einer unglücklichen Liebe zwischen zwei in ihrem Wesen unterschiedlichen Menschen. Er ist vor allem ein Anti-Kriegs-Buch, in dem der Schrecken, das Leiden und die Sinnlosigkeit eines Krieges deutlich beschrieben werden. Empfehlenswert!
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Dämmerung
Kjell Westö ; aus dem Schwedischen von Kristina Maidt-Zinke
Piper (2026)
525 Seiten
fest geb.