Regentropfen fallen langsam
Nina bricht von heute auf morgen ihre Gesangsausbildung ab, weil sie plötzlich ihre Stimme verliert. Sie wechselt nach Wien zu Eva, einer Gesangslehrerin, von der sie gehört hat. Diese beschreitet völlig neue Wege der Ausbildung. Nina macht bei
ihr überraschende, neue Erfahrungen mit ihrer Stimme. Sie lernt, sich von festgefahrenen Lernstrukturen zu befreien und Eingefahrenes zur Seite zu schieben. Doch erst als sie die Japanerin Yuko kennenlernt, eröffnet sich ihr eine ganz neue Sicht auf die Musik und das Singen. Angeleitet durch Yuko sucht Nina nach dem "Ma" – der Leere zwischen den Dingen. Sie findet nicht nur ihre ureigene Stimme, sondern gleichzeitig eine neue Sicht auf die Welt und das Leben. – In ihrem neuen Roman legt I. Kloser eine Liebeserklärung an die Stimme, das Loslassen und die Bedeutung von Wegbegleitern, auch aus unterschiedlichen Kulturen, vor. Nicht die Handlung reißt einen mit, es ist eher die "Nicht-Handlung", die Gedanken, die einen hier an das Buch fesseln. Die Lesenden werden aufgefordert, sich neuen, anderen Zugängen zu öffnen. Ähnlich wie bei Klosers Roman "Aus Stille geformt" (BP/mp 25/742), erhalten wir durch Yuko Einblicke in die japanischen Denkweisen und in deren Kultur. Ein Glossar am Ende des Buches erläutert verschiedene japanische Begriffe. Dieser ruhige, vorsichtig erzählte Roman hat mich sofort gefesselt. Ein Buch, auf welches man sich einlassen muss, poesievoll und einfühlsam, trotzdem leicht, tiefgründig und ernst. Für Interessierte an der japanischen Kultur und der Gesangswelt im Allgemeinen.
Silvia Eilers
rezensiert für den Borromäusverein.
Regentropfen fallen langsam
Ingrid Kloser
Piper (2026)
189 Seiten
fest geb.