Vielleicht im Sommer
Der Leser lernt den 14-jährigen Kian in dem Moment kennen, als er von der Polizei abgeholt und in ein Heim gebracht wird. Seine Mutter war vor 10 Jahren gestorben und sein Vater ist während der Flucht ein drohender Schatten. Wie zufällig begleitet
ihn der 15-jährige Marco, der schon viele Jahre im Heim lebte. Auf ihrer Flucht werden die beiden Jungen immer erwachsener, indem sie Verantwortung füreinander übernehmen. Und Marco hat ein Ziel, seine Halbschwester irgendwo im Norden Deutschlands zu finden. Es beginnt eine abenteuerliche Fahrt, auf der sie hilfreiche Menschen treffen, laufend Gesetze übertreten müssen (?), dem andern immer mehr vertrauen und anvertrauen. Marco hofft darauf, eine Familie zu finden, die er nie hatte. Und Kian flieht vor dem Schatten seines Vaters, dessen Selbstmord er miterlebte. Die Geschichte endet mit der Verhaftung der beiden Jungs und mit der Erkenntnis, dass die Suche nach einer Familie ein Traum bleibt, aber dass sie sich selbst gefunden haben. Die Geschichte ist einfühlsam erzählt ohne Sozialromantik aber mit viel Verständnis für Kinder, die in prekären Verhältnissen aufwachsen. Eventuell werden die zahlreichen Diebstähle der beiden zu sehr verharmlost, indem der Autor sie als Notwendigkeit darstellt.
Lotte Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Vielleicht im Sommer
Lukas Mi-Sa Nguyen Egger
Piper (2026)
268 Seiten
fest geb.