Eine Frage des Formats
Dieser amüsante Roman basiert auf wahren Begebenheiten. Tatsächlich fertigte Lucian Freud, „Enfant terrible“ der britischen Kunstszene, im Jahr 2001 ein Porträt der damals amtierenden Königin von England an. Die Autorin Lea Singer hat die historischen
Hintergründe akribisch recherchiert und dann literarisch verarbeitet. Es ist spannend zu lesen, wie die beiden exzentrischen und doch sehr unterschiedlichen Charaktere aufeinandertreffen. Dabei ist es ganz egal, was davon wahr ist und was frei erfunden – die Figuren sind so glaubhaft und einfühlsam dargestellt, dass sie für den Rezipienten real werden. Sowohl die Königin als auch der Künstler, die beide unter enormen Druck der Öffentlichkeit stehen, werden jenseits ihrer Rollen gezeigt: als Menschen mit Emotionen, nahbar und verletzlich. Auch die Assistenten der beiden Hauptfiguren bekommen Raum in der Geschichte, was dem Ganzen noch mehr Tiefe verleiht. Es macht Spaß, die Entstehung des Porträts und die Annäherung der beiden besonderen Persönlichkeiten zu verfolgen. Leider sind die zahlreichen Gemälde, die im Laufe der Geschichte erwähnt werden, im Buch nicht abgebildet. Wenn man also wissen möchte, wovon die Figuren gerade sprechen, ist man darauf angewiesen, die Werke parallel im Internet zu recherchieren, was den Lesefluss etwas stört. Für England-Fans, Kunstliebhaber und Freunde von psychologischen Studien ist dieser Roman trotzdem sehr zu empfehlen.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Eine Frage des Formats
Lea Singer
Piper (2026)
159 Seiten
fest geb.