Diese brennende Leere
Mexiko-Stadt um das Jahr 2030: In einer Zeit, in der die Klimakrise erste große Auswirkungen zeigt, zerstört ein verheerender Brand den Park Chapultepec, in dem sich ein großer Friedhof und ein Zoo befinden. Etwa zur gleichen Zeit versucht die junge
Quantenphysikerin Karina, die mit ihrer Großmutter zusammenlebt, das wahre Schicksal ihrer Eltern zu klären, die angeblich bei einem Autounfall starben, als Karina noch ein Kind war. Um deren Grab auf dem verwüsteten Friedhof zu finden, wendet sie sich an den jungen Friedhofsaufseher Silverio, der sich bemüht, Kontakt zu seiner 13-jährigen Tochter zu knüpfen, die von ihrer Mutter von ihm ferngehalten wird. Während man in der Stadt versucht, durch den Neuaufbau von Friedhof und Zoo die Erinnerung an die Katastrophe auszulöschen, deckt Karina die Tragödie auf, in der ihre Eltern und ihre Großmutter verstrickt sind. – Mit einer an die Meister des Magischen Realismus erinnernden Souveränität spielt Jorge Comensal in seinem neuen Roman mit Zeit und Raum, erzählt vor dem Hintergrund zweier Familiengeschichten von der Sehnsucht nach Liebe und Nähe, von der menschengemachten Zerstörung der Umwelt und den großen Prinzipien der Astrophysik. In einem Stil, der die Protagonisten bis in die tiefsten Schichten ihrer Psyche plastisch werden lässt und der den Leser schon ab der ersten Seite so sehr fesselt, dass er das Buch kaum mehr zur Seite legen mag. So muss gute Literatur sein: gekonnt geschrieben, vielschichtig und zum Nachdenken animierend. Dieses Buch wird lange im Gedächtnis bleiben. Weitere Comensal-Romane kann man mit Spannung erwarten.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Diese brennende Leere
Jorge Comensal ; aus dem Spanischen von Friederike von Criegern
Rowohlt (2025)
414 Seiten
fest geb.