Frauen im Sanatorium
Anna, mit russischem Migrationshintergrund, ist wegen eines von ihr verursachten Verkehrsunfalls im Sanatorium. Hier lernt sie Marija und Elif kennen und sie gehen eine Art Freundschaft miteinander ein. Die Frauen halten zusammen, machen sich über
den unfähigen Therapeuten lustig und versuchen ihr jeweiliges Schicksal zu bewältigen. Aber in dieser redseligen Gesellschaft bleibt Anna meist stumm – außer wenn sie im Kurpark dem Flamingo Pepik aus ihrem Leben erzählt: von ihrer Emigration, ihrer Sorge um die Mutter, ihrer Wut auf den Vater, vom Schmerz ihrer Kindheit und vor allem von der Liebe. Der Leser, die Leserin wird mit lauter irritierenden Geschichten konfrontiert, welche Elif Anna über die anderen Patienten erzählt. Die Leser:innen erleben einerseits den Alltag im Sanatorium, andererseits die Rückblicke der Protagonistinnen in die Vergangenheit und ebenso das Verlorengehen im Zustand zwischen Tabletten und Behandlungen. – Obwohl Prizkau mit Leichtigkeit und feinem Humor erzählt und dabei nie die dahinterstehende Tragik verdeckt, konnte mich dieser Roman nicht erreichen. Für Interessierte am Alltag innerhalb der geschlossenen Welt eines Sanatoriums und für große Bestände, die solche Nischenthemen abdecken möchten.
Silvia Eilers
rezensiert für den Borromäusverein.
Frauen im Sanatorium
Anna Prizkau
Rowohlt Hundert Augen (2025)
298 Seiten
fest geb.