Unverdiente Ungleichheit
Eine junge Politikwissenschaftlerin setzt sich in diesem Sachbuch, das in verständlicher Weise wesentliche Inhalte ihrer Dissertation vermittelt, mit der zunehmend ungleichen Verteilung des Vermögens in unserem Land auseinander. Zunächst beschreibt
sie verschiedene Facetten dieser Ungleichheit, die sich seit dem Aufkommen des Neoliberalismus in den 1980er-Jahren deutlich verschärft hat, und skizziert die Gefahren, die diese Erbengesellschaft für unsere Demokratie und letztlich auch für die Bekämpfung des Klimawandels darstellt. In ihren Analysen greift sie dabei oft auf den nicht unumstrittenen, aber sehr populären französischen Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty zurück, der von ihr als "Rockstar der Ungleichheitsforschung" gefeiert wird. Wesentlich zur Zementierung dieser Unwucht trägt in Deutschland die geringe Besteuerung der gewaltigen, von Generation zu Generation weitervererbten Vermögen dar. Die Geschichte der Besteuerung dieser Erbschaften beschreibt sie ausführlich. Hier fordert sie – ähnlich wie bei den laufenden Erträgen aus den Vermögen der Überreichen – deutlich höhere Steuern. Die Haltung der Wirtschaftselite zu diesen Fragen legt sie im Rückgriff auf 18 qualitative Interviews dar. Abschließend entwickelt sie den Vorschlag der Einführung eines Grunderbes, das aus diesen Steuererträgen an alle jungen Erwachsenen gleichmäßig ausbezahlt werden und vor allem Menschen aus der ärmeren Hälfte der Gesellschaft zu besseren Startchancen für ein selbstbestimmtes Leben in relativem Wohlstand verhelfen soll. – Auch wenn man nicht alle Einschätzungen und Thesen der Autorin teilt: Das sich fundiert auf viele Quellen stützende Buch bietet in größeren Sachbuchbeständen einen wichtigen Diskussionsbeitrag und interessanten Lösungsansatz für ein drängendes gesamtgesellschaftliches Problem.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Unverdiente Ungleichheit
Martyna Linartes
Rowohlt (2025)
319 Seiten : Illustrationen, Diagramme
fest geb.