Alle meine Mütter
Bevor Frauen Mütter werden, sind sie Töchter. Was wissen wir über unsere Mütter? Lena Gorelik analysiert in ihrem neuen Roman, der eher einer Abhandlung gleicht, eine Beziehung, die unser Leben prägt. Dabei geht sie auf unterschiedliche Aspekte
der Mutterschaft ein, erzählt von gesellschaftlichen Erwartungen und von dem Bild, das durch die eigene Mutter geprägt wurde. Der weibliche Körper, Menstruation und Schwangerschaft sind in der Generation ihrer Mutter noch ein Tabuthema. Gorelik schreibt über die Brustkrebserkrankung ihrer Mutter, über die weibliche Brust, die auf lateinisch „Mamma“ heißt. Von der Frau, die sie geboren hat, weitet sie den Blick auf alle Frauen und erzählt von Müttern mit gesunden, mit kranken Kindern, von Frauen, die keine Kinder bekommen können, von denen, die sich bewusst dagegen entscheiden und denen, die ein Kind verloren haben. Ein Kapitel widmet sie Kindern mit Beeinträchtigungen, der Sorge der Mütter, der Freude an kleinen Fortschritten. – Das Mutterbild, das Gorelik zeichnet, besteht aus unterschiedlichen Facetten und Mosaiksteinchen, enthält auch Patchworkmütter und Großmütter. Ein wichtiges Buch für alle Bestände, das zur Auseinandersetzung einlädt.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Alle meine Mütter
Lena Gorelik
Rowohlt (2026)
272 Seiten
fest geb.