Kinder Abrahams
Von Mohammed bis zur Gegenwart erzählt der Autor von der komplexen Geschichte der vertrauensvollen Beziehungen und des Zusammenlebens zwischen Juden und Muslimen. Er verdeutlicht dies in der vormodernen Zeit am Beispiel des türkisch-jüdischen Chasarenreiches
im 8. bis 10. Jh., an der Allianz in Al-Andalus (Spanien), an den Verbindungen im Osmanischen Reich des 15. bis 18. Jh. und an der fruchtbaren Zusammenarbeit im philosophischen Bereich. Trotz der Anerkennung der religiösen Unterschiede gab es auch in dieser Zeit Konflikte und Gewaltausbrüche, oft verursacht durch Chroniken mit antijüdischer Haltung. Die Zunahme der Entfremdung geschah durch die Umwälzungen in Frankreich 1789 mit der Gleichberechtigung der Religionsgemeinschaften, mit der politischen Agenda, die die arabischen Provinzen des Osmanischen Reiches zu Interessengebieten der Großmächte machte, dem Aufkommen von Antisemitismus und Zionismus und der Gründung des Staates Israel mit der Vertreibung der muslimischen und christlichen Einwohner. Diese detailreiche und vielschichtige Beschreibung mit den vielen Beispielen und Einzelheiten, auch der militärischen Auseinandersetzungen, ist ein unverzichtbarer Beitrag für das Verständnis des vergangenen jüdisch-muslimischen Zusammenlebens und der gegenwärtigen Konflikte.
Helmut Eggl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Kinder Abrahams
Marc David Baer ; aus dem Englischen von Thomas Stauder
Rowohlt (2026)
495 Seiten
fest geb.