Die Kunst des Wartens
Marie, erfolgreich und attraktiv, verliebt sich in Roch, einen Kunden ihres Unternehmens - ein coup de foudre. Die beiden treffen sich heimlich, leben die körperliche Anziehung aus. Das Warten beginnt in dem Moment, als Roch zu Marie sagt: "Wenn das
noch ein Jahr so weitergeht, verlasse ich sie." Denn er ist verheiratet, auch Marie hat zwei Töchter und einen ihr zugewandten Mann. Doch die Monate vergehen, dann die Jahre. Marie wartet. Auf Roch, einen Fehler im Lügengebilde, veränderte Umstände. Sie schwankt zwischen Hoffnung und der Unfähigkeit, die Affäre zu beenden. Eine leise Bitterkeit schleicht sich ein. Unbemerkt aber unerbittlich zehrt die Affäre an Maries Kräften, bis sie strauchelt. - Aus der Ich-Perspektive wird Maries Part in dieser außerehelichen Beziehung geschildert, formal unterbrochen von Passagen, in denen sie über das Warten sinniert. An Marie sehen wir die Dynamik dieser leidenschaftlichen, aber langfristig (selbst-)zerstörerischen Beziehung. Der Erzählfokus ist eng, so wie die Affäre selbst: Alles außerhalb der beiden wird ausgeblendet, findet höchstens als Randelement statt. Die Entfremdung von der Familie, die Umzüge, das Älterwerden. Und macht genau deswegen nachdenklich. Wem ist man treu? Seinem Ehepartner, seiner flammenden Liebe, sich selbst? (Übers.: Claudia Steinitz)
Barbara Sckell
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Kunst des Wartens
Catherine Charrier
Rowohlt (2015)
253 S.
fest geb.