Der Untergrund des Denkens
Entgegen der häufig geäußerten, auf Freuds Psychoanalyse beruhenden These von der Macht des Unbewussten verteidigt der Autor das klassische Bild des Menschen als selbstbestimmte Person. Mit Beispielen illustriert er die unterschiedlichen Interpretationen
des Unbewussten und die fehlerhaften Bewusstseinstheorien, die z.B. unser Bewusstsein als Illusion erklären. Wie wenig Aufmerksamkeit und Wünsche, Wahrnehmung, Entscheiden und Handeln mit unbewussten Einflüssen zu tun haben, zeigt er an vielen kritisch hinterfragten Versuchen und Experimenten der modernen Forschung. Dazu kommen interessante Einblicke in das Phänomen der Selbsttäuschung, in die Frage nach der personalen Identität und den Einfluss der Sprache auf unser Denken und Entscheiden. Bewusste und unbewusste Vorgänge sind - so das Fazit des Buches - keine Gegensätze, sondern unterschiedliche Qualitäten eines einheitlichen Geistes. Das umfangreiche, über hundertseitige Anmerkungs- und Literaturverzeichnis ist wohl für wissenschaftliche Weiterarbeit gedacht. Mit kurzen Kapiteln, einladenden Teilüberschriften und vielen Fragen animiert das Buch dagegen viele Interessierte zum Lesen und zum Mitdenken.
Helmut Eggl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Untergrund des Denkens
Philipp Hübl
Rowohlt (2015)
477 S.
fest geb.