Die Glücksparade
Geschildert werden der beängstigend unspektakuläre materielle Absturz, die gegenseitige Entfremdung und das allmähliche Auseinanderbrechen einer kleinen Familie. Weder der Vater noch die Mutter des 15-jährigen Simon kommen mit ihrem Beruf und den
Erfordernissen des täglichen Lebens zurecht. Der Vater ist gezwungen, die mies bezahlte Stelle eines Platzwarts auf einem abgelegenen Dauercampingplatz anzunehmen. Die Familie haust nun auf engstem Raum in einem Blechcontainer und dennoch redet man sich die Lage schön. Neun Monate hält man durch, bevor die Situation eskaliert. Ein offenes Ende, aber eines, das für keinen der Beteiligten Anlass zur Hoffnung bietet! "Die Glücksparade" bleibt ein hohles Versprechen einer billigen Fernsehshow. Dieser erste, mit dem Robert-Gernhardt-Preis 2010 ausgezeichnete Roman des noch jungen Autors (geb. 1979) verrät schon ein hohes Maß an sprachlicher Sensibilität, obwohl - dem Alter des 15-jährigen Ich-Erzählers entsprechend - betont schnörkellos, ja geradezu unliterarisch karg erzählt wird. Realismus und Melancholie pur! Lesenswert.
Die Glücksparade
Andreas Martin Widmann
Rowohlt (2012)
216 S.
fest geb.