Bleeding Edge

New York um 2001: Maxine Tarnow, eine geschasste und deshalb in ihren Methoden umso unkonventioneller agierende Betrugsermittlern, ist Gabriel Ice, einem ebenso mysteriösen wie eiskalten Chef einer Softwarefirma auf den Fersen, der mit der CIA, dem Bleeding Edge Mossad oder auch arabischen Waffenhändlern (oder allen zusammen) paktiert. Die Recherchen der attraktiven, äußerst taffen und vielseitigen Detektivin (sie ist an der Stripteasestange genauso versiert wie im Umgang mit ihrer Beretta oder den Tücken des "Deep Web") decken kriminelle Finanztransaktionen auf, führen aber am Ende zu keinem wirklich belastbaren Resultat - alles bleibt ein dunkles Verschwörungsszenario für sie - allerdings auch für den ob der Überfülle an Schauplätzen (Dutzende New Yorker Etablissements, Bars und Kneipen,) Personen und Handlungssplittern gründlich desorientierten Leser. Sollte es die Absicht des Autors gewesen sein, die Undurchschaubarkeit der gegenwärtigen Welt abzubilden? Jedenfalls dürfte der Durchschnittsleser nicht nur wegen der sprunghaft wechselnden, oft verworrenen Handlung überfordert sein. (Höhepunkt der kruden Handlung ist der Anschlag auf das WTC am 9.11.2001.) Dass der Autor mit pointenreichen, lustvoll provozierenden Dialogen aufwartet, oft mit subtiler Ironie oder brachialer Derbheit, immer aber mit einer stupenden sprachlichen Originalität zu Werke geht, steht außer Frage und macht den von Dirk van Gunsteren nach übereinstimmender Ansicht der Kritik glänzend übersetzten Detektivroman dann zumindest für Fans des "Berühmtesten Unbekannten der Weltliteratur" (Kölnische Rundschau 16.10.14), von dem bis heute kein aktuelles Foto existiert, attraktiv.

Bleeding Edge

Bleeding Edge

Thomas Pynchon
Rowohlt (2014)

604 S.
fest geb.

MedienNr.: 408130
ISBN 978-3-498-05315-4
9783498053154
ca. 29,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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