Der gute Liebhaber
Über Una ("die Eine"), die ihn einst aus nichtigem Anlass verlassen hatte, kommt Karl Ástuson, der "Held" im Roman der bekannten isländischen Autorin nicht hinweg, trotz unzähliger kurzlebiger Frauenbekanntschaften. Er erweist sich zwar als der
"gute Liebhaber", findet aber bei keiner von ihnen wirkliches Glück. Una selbst hatte sich in eine kinderlose konventionelle Ehe geflüchtet, sehnt sich aber ebenfalls nach ihrem ersten Geliebten. Nach 17 Jahren finden beide dank der überaus selbstlosen Hilfe einer ehemaligen "Kurzeitgeliebten" Karls wieder zueinander. Deren verborgener Liebesschmerz und das Ausmaß ihres Opfers werden Karl erst nach der Veröffentlichung ihres Romans mit dem Titel "Der gute Liebhaber" klar, in dem die Geliebte ihre kurze, durchaus einseitige Liebesbeziehung beschreibt und nach dessen Erscheinen sie freiwillig aus dem Leben scheidet. - Die bittersüße, höchst romantische Liebesgeschichte, wirkt erstaunlicherweise trotz der geschilderten, beinahe märchenhaft anmutenden Handlungsentwicklung und trotz der Verklärung immerwährender Liebe nicht kitschig. Dies liegt sicher an der erzählerischen Raffinesse der Autorin, aber auch an der psychologisch überzeugenden Figurengestaltung sowie an der subtilen Erotik. Bis zuletzt hält die Autorin den Leser in Atem, weil er - seinen modernen Leseerfahrungen entsprechend - an ein dauerhaftes Glück und einen harmonischen Ausgang nicht recht glauben mag. Vielleicht braucht es gerade heute, in Zeiten hastig wechselnder Liebesbeziehungen und einer immer penetranter werdenden Sexualisierung tröstliche und dezente Gegenentwürfe! (Übers.: Coletta Bürling)
Der gute Liebhaber
Steinunn Sigurdardóttir
Rowohlt (2011)
222 S.
fest geb.