Von der Hauptschule nach Harvard
Der Autor schildert seine Kindheit als erster Sohn jesidisch-kurdischer Eltern in Deutschland, ihrer Wahlheimat aus politischen Gründen. Dabei analysiert er mit Statistik und überzeugenden Sätzen, welche strukturellen Hindernisse er und andere durch
ihre Herkunft und Armut stigmatisierte Migrantenkinder überwinden müssen, weil das Umfeld ihnen nichts zutraut. Sein Bildungsaufstieg durch persönlichen Ehrgeiz, Intelligenz und eisernen Willen ist zu bewundern. Zum Glück erhielt er auch Unterstützung durch Autoritätspersonen und seine Eltern. Seine jesidisch-kurdische Herkunft, kulturelle Identität, Sprachbegabung und Migrationserfahrung spielen eine wesentliche Rolle in seiner Lebensgeschichte. Er vertraut fest auf eigene Fähigkeiten, berichtet aber auch ausführlich von Selbstzweifeln und Mutlosigkeit, die er scheinbar aus eigener Kraft überwindet. Leider erwähnt er zwar seine familiären religiösen Einflüsse, aber keine eigene Gläubigkeit. Mahmut Yüksel kämpft sich von der Hauptschule auf die Realschule und das Gymnasium, bis er es schließlich auf renommierte Hochschulen wie Harvard und Zürich schafft. In der neurotechnologischen Forschung und Klinik findet er seine Erfüllung als promovierter Arzt. Als Fazit fordert er als deutscher Gelehrter grundlegende Reformen im Bildungssystem im Sinne von Chancengleichheit, Möglichkeiten und Begabtenförderung für Kinder und Jugendliche, wobei er einmal auch die Mädchen erwähnt. Sehr empfehlenswert für alle Bestände.
Gudrun Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Von der Hauptschule nach Harvard
Mahmut Martin Yüksel
Rowohlt Taschenbuch Verlag (2026)
223 Seiten
kt.