Mein Sonnenkind
Geschockt verfolgte die Öffentlichkeit das Drama um den Amoklauf des 17-jährigen Tim Kretschmer in Winnenden am 11. März 2009 in der Albertville-Realschule. Er tötete 15 Menschen und zuletzt sich selbst. Dazu kamen noch mehr als 10 Verletzte. Hardy
Schober, der Vater einer getöteten Schülerin, gründete schon am 23. März 2009 das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden. Die Ziele sind unter anderem eine verstärkte Gewaltprävention, verstärkte Sicherheit an Schulen, mehr Sensibilisierung von Eltern für den Medienkonsum ihrer Kinder und ein Verbot sogenannter "Killerspiele". Zusätzlich geht es den Mitgliedern um eine Verschärfung des Waffengesetzes, was die breite Lobby der Sportschützen und Jäger gegen die Gruppe aufgebracht hat und noch immer aufbringt. Hardy Schober schreibt ein eindringliches Buch, das den Leser dazu bringt, die vielfältigen Gefühle, die ihn überfallen haben, nachzuempfinden. Man versteht, dass er mit seiner Gründung des Aktionsbündnisses die Menschen aufrütteln will, sich für sichere Schulen einzusetzen. Das Buch versucht auch mit dem Vater des Amokschützen abzurechnen, der wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen, fahrlässiger Körperverletzung in 13 Fällen und Verstoß gegen das Waffenrecht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt wurde. Im Frühjahr 2012 hob der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Urteil wegen eines Verfahrensfehlers auf. Dies können die Leute um Hardy Schober nicht verstehen. - Das Buch ist für alle Interessierten, die noch einmal die Vorgänge von Winnenden, die Reaktionen und Empfindungen danach und die Folgerungen, die sich daraus für das Aktionsbündnis ergeben haben, nachlesen wollen.
Gerd Fleder
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Mein Sonnenkind
Hardy Schober. Aufgezeichn. von Daniel Oliver Bachmann
Südwest (2012)
256 S.
fest geb.