Survival of the Richest
Im neuesten Werk dreht sich für Douglas Rushkoff alles um den Begriff "Mindset". Er etikettiert damit die Weltanschauung von superreichen Tech-Milliardären, verfügbare bzw. absehbare Technologien seien die ultimativen Lösungen für die Probleme
der Menschheit. Darüber hinaus wären keine sozialen oder gesellschaftlichen Anpassungen nötig, sondern lediglich die Kontrolle aller digital erfassbaren Vorgänge bei Menschen und Natur. Die titelgebende Neigung der Tech-Eliten zu "Fluchtfantasien" ist für den Autor ein weiteres Element des "Mindset". Darunter versteht er Pläne von Superreichen, sich bei globalen Krisen zu isolieren oder gar mittels Raumfahrtprojekte ins All zu "retten". Für ihn ein Beleg der Unmenschlichkeit und Entfremdung. Anstatt in eine gerechtere Gesellschaft zu investieren, versuchten die Eliten, aus den Konsequenzen ihrer eigenen Systeme auszusteigen. Wortgewaltig plädiert der bekennende Marxist für eine Einhegung der Tech-Milliardäre und ihrer Konzerne. Die Absurdität, zumindest Kurzsichtigkeit ihrer Denkweise wird mit Verve aufgezeigt. Der Autor traut vor allem dem Staat zu, diesem Leviatan Fesseln anzulegen. Leider driftet das Buch in eine allgemeine Technologiekritik ab. Die Angriffe auf die Digitalisierung im Allgemeinen wirken überzogen und wenig fundiert. Empfohlene Lösungen, wie der Verzicht auf Wachstum und Konsum, bleiben Schlagworte. – Fazit: Eine kraftvolle, vielfach nachvollziehbare Kritik am Hochmut technologisch engagierter Eliten, die aber auch ein bisschen das Kind mit dem Bade ausschüttet. Wer mit den Schwächen des Buchs umgehen kann, lernt viel über die zwielichtigen Ecken der Digitalwirtschaft. Sprachlich wie intellektuell ein Farbklecks im Regal.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Survival of the Richest
Douglas Rushkoff ; aus dem Englischen von Stephan Gebauer
Suhrkamp (2025)
282 Seiten
kt.