Eugenik und andere Übel
Die Züchtung eines neuen, "besseren" Menschen - verbrämt Eugenik genannt - war, wie Thomas Lemkes sehr informative Einleitung zu diesem Buch zeigt, nicht erst eine Idee der Nationalsozialisten oder gar einiger moderner Reproduktionsmediziner; ihre
Anfänge liegen bereits am Ausgang des 19. Jh. Darum konnte einer der hellsichtigsten Zeitkritiker der einsetzenden Moderne, G. K. Chesterton, ihre wahren Ursachen, Motive und Ziele ebenso wie ihre künftigen Folgen schon früh schonungslos aufdecken. Dabei ist seine Analyse so fundamental, dass sie auch die heutigen Phantasien vom idealen Menschen noch trifft. Chesterton reißt der Eugenik die Maske des Humanen vom Gesicht, zeigt auf, dass dahinter nicht nur ein kruder Materialismus steckt, der die Willensfreiheit des Menschen leugnet, sondern auch ein extremer Kapitalismus, der Herrschaftswille einer politischen und ökonomischen Elite, die die Wissenschaft zum Zweck ihrer eigenen Machterhaltung instrumentalisiert. Sein bekannt feinsinniger, einem gesunden Menschenverstand abgerungener Humor veranschaulicht bestens, welchen nichtigen Popanzen der moderne Mensch hörig geworden ist, und macht dieses Buch obendrein zu einem Lesevergnügen.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Eugenik und andere Übel
Gilbert Keith Chesterton
Suhrkamp (2014)
Edition Unseld ; 41
280 S.
kt.