Dunkel, fast Nacht
Katzenfresser. So nannte Alicjas Schwester Ewa die Menschen, die Böses brachten. Zugleich meinte sie auch jenes Namenlose, das von jedem Gepeinigten selbst Besitz ergreifen kann, bei dem es sinnlos ist, sich zu wehren. Nun sind die Katzenfresser in
Walbrzych / Schlesien wieder aktiv. Drei Kinder sind verschwunden. Für eine Reportage darüber kehrt Alicja nach lange Zeit in ihr Heimatdorf zurück. Hier muss sie sich ihren Erinnerungen stellen: Erinnerungen an Ewa, deren Selbstmord sie nicht verhindern konnte, an ihre gestörte Mutter und ihren flüchtenden Vater. Zum Glück gibt es die Katzendamen, die immer dann auftauchen, wenn Hilfe nötig ist und auch Fürstin Daisys schützende Perlen. - Es gibt viel, was Alicja verdrängt hat, einiges, was ihr unbekannt war und Neues, mit dem sie sich auseinandersetzen muss. Joanna Bator lässt nichts aus, verwebt Vergangenheit mit Gegenwart, erzählt von Kriegsleiden, sexueller Gewalt, Glaubensverwirrung und Hetze im Internet, aber auch von Toleranz und Hoffnung. Die direkte Sprache zieht die Leser tief hinein und lässt sie nicht mehr los. "Dunkel, fast Nacht" wurde mit dem höchsten polnischen Literaturpreis geehrt. Ein Buch voll unglaublicher Kraft und Intensität. (Übers.: Lisa Palmes)
Tina Schröder
rezensiert für den Borromäusverein.
Dunkel, fast Nacht
Joanna Bator
Suhrkamp (2016)
510 S.
fest geb.