Was geschah im 20. Jahrhundert?
In den zwölf abgedruckten Reden und Texten, entstanden zwischen 2005 und 2014, erörtert der prominente, vielfach ausgezeichnete, aber auch umstrittene Autor vielfältige Themen unserer Zeit. In seinen Ausführungen z.B. zu Globalisierung, Migration,
Bevölkerungsexplosion und der Notwendigkeit, diese zu beschränken, den Grenzen des Wachstums und Infragestellung unseres technikzentrierten Zivilisations- und Wohlstandsmodells usw. operiert er mit profunder Kenntnis der Realien und ausgerüstet mit dem gedanklichen und sprachlichen Rüstzeug des mit seinem Fach vertrauten Philosophen. Unverkennbar ist seine zeit- und kulturkritische Grundhaltung - skeptisch und wertkonservativ. Seine Thesen heben sich oft in erfrischender Originalität, aber auch in provozierender Kontradiktion von den geläufigen Denkmustern ab. Sein eigenwilliger Blick auf gängige Paradigmen wird womöglich auf Widerspruch stoßen, zwingt vielleicht zu einer Revision eigener Positionen oder wenigstens zum vertieften Nachdenken. Die eigentliche Herausforderung für den Philosophen ist es nach der unausgesprochenen Ansicht Sloterdijks, dem Gegenwartsmenschen praktikable Handhabe für sein Leben und sein Überleben auf dem "Raumschiff Erde" zu geben. Entkleidet man seine Ausführungen des beeindruckenden rhetorischen Rankenwerks und führt sie auf den substanziellen Kern zurück, dann kommt man freilich hin und wieder zu dem Schluss: Man könnte auch alles viel einfacher, weniger abgehoben ausdrücken. Als Denkanstoß und Diskussionsgrundlage ist dieser Sammelband grundsätzlich sehr zu empfehlen. Vor allem wegen der elaborierten Fachterminologie aber nur für einen sehr ambitionierten Leserkreis.
Was geschah im 20. Jahrhundert?
Peter Sloterdijk
Suhrkamp (2016)
348 S.
fest geb.