Die große Heimkehr
In dem eher historisch als literarisch interessanten Roman der 1977 in Südkorea geborenen deutschen Autorin geht es um eine doppelte Heimkehr. Einmal um die vorübergehende Heimkehr der (an die eigene Biografie der Autorin angelehnte) Erzählerfigur
Hanna in das Land ihrer Geburt auf der Suche nach ihren Wurzeln. Und dann um die Heimkehr von fast 100.000 Exilkoreanern aus Japan, aus dem Land, in das sie im und nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Koreakriegs teils geflohen, teils verschleppt worden waren. Hanna trifft in Seoul den 78-jährigen Yunho Kang, der ihr nun in aller Ausführlichkeit seine Erlebnisse als Jugendlicher und junger Erwachsener in Korea und Japan erzählt. In dem individuellen Schicksal Yunhos, seines nach Nordkorea ausgewanderten "Kommunisten-Bruders", seines Freundes Johnny Kim und seiner geliebten Eve Moon spiegeln sich die blutigen Ereignisse der von Krieg und Bürgerkrieg bestimmten koreanischen Nachkriegsgeschichte. - Der Leser wird hier auf eine Geschichtserzählung stoßen, die nicht recht zu der westlichen durch den Kalten Krieg bestimmten Historiografie des fernen Ostens passen will, die Südkorea bevorzugt als Opfer der kommunistischen Aggression hinstellte. Schonungslos werden die Greueltaten beider Regime ausgebreitet. Aber es werden eben auch die anfänglichen Verdienste des nordkoreanischen Regimes hervorgehoben. Der umfangreiche Roman zeichnet sich durch großer Detailliertheit und Authentizität aus, ist aber sicher nur historisch interessierten Lesern zu empfehlen.
Die große Heimkehr
Anna Kim
Suhrkamp (2017)
558 S. : Ill., Kt.
fest geb.