Das Leben nehmen
Anhand des Themas Suizid untersucht der Kulturwissenschaftler Thomas Macho die Denkweise der jeweiligen Epochen. Viele Jahrhunderte hindurch wurde der Suizid verfolgt, verteufelt oder tabuisiert - der Mensch gehörte den Ahnen, später Staaten und
Nationen. Erst mit dem Beginn der Moderne im 20 Jh., das im Zeichen Nietzsches beginnt, wird die Frage "wem gehört der Mensch" mit "mir selbst" beantwortet. Untersucht werden Quellen aus den Werken der Literatur, der Malerei und der Filmkunst. Neben der historischen Betrachtung werden Einzelthemen wie Suizid in der Schule, Massensuizid oder politische Protestsuizide beleuchtet. Abschließend ein aktuelles Kapitel über Sterbehilfe und "assistiertem" Selbstmord. Der Autor bleibt objektiv, das Werk ist wissenschaftlich breit angelegt, daher auch unabhängig vom Thema keine leichte Kost. Für ein kulturhistorisch interessiertes Publikum in größeren Bibliotheken lohnenswert.
Lieselotte Banhardt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Leben nehmen
Thomas Macho
Suhrkamp (2017)
530 S. : Ill.
fest geb.