Parade
In mehreren ineinander verschachtelten Erzählsträngen versuchen Frauen ihre künstlerische Begabung auszuleben, nur um stets von Männern daran gehindert zu werden. Alle diese Frauen sind entweder namenlos oder heißen schlicht G. Orte und Zeiträume
spielen ebenfalls keine Rolle. Wichtig in allen Geschichten ist die stets unterdrückte Eigenständigkeit der Frau bei dem Versuch, sich künstlerisch frei bewegen zu können. Mal hat sie einen gewalttätigen oder pompösen Mann, mal wird sie in die klassische Geschlechterrolle als Ehefrau und Mutter gedrängt und an anderer Stelle wird ihr Wert in leitender Funktion durch den Selbstmord eines Mannes an ihrem Arbeitsplatz herabgesetzt. – Der Roman ist durch und durch ein Plädoyer für die Emanzipation der Frau am Beispiel der Kunst, durch die alle Geschichten miteinander verbunden sind. Leser und Leserinnen müssen dem Buch jedoch aufmerksam folgen, da die Geschichten oft so abrupt ineinander übergehen und fast keine Zusammenhänge haben, dass man den Faden leicht verliert. Es sind die kleinen Dinge im Zusammenspiel der Figuren, die von der Autorin sehr gut beobachtet und niedergeschrieben sind und alle Leser immer wieder aufhorchen lassen. Das Thema des Romans ist unbestritten wichtig, jedoch könnte die Ausführung gefälliger sein, um dem Plädoyer besser folgen zu können.
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Parade
Rachel Cusk ; aus dem Englischen von Eva Bonné
Suhrkamp (2024)
171 Seiten
fest geb.