Die weißen Nächte
Mariusz, Henia, Anielka, Zosia, Mirek oder Andrzey heißen die Hauptpersonen und/oder Ich-Erzähler:innen dieser 13 Erzählungen. Sie berichten vom Leben als Kinder und junge Erwachsene in der von Armut und Schicksalsergebenheit geprägten Zeit der
sehr dörflichen Woiwodschaft Kleinpolen südlich von Krakau. Es sind die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg. Erinnerungen an Fremdbestimmung schimmern in der Eltern- oder Großelterngeneration durch. Und dass man sich jetzt allein in der kargen Landschaft, von der Hände Arbeit ernähren kann oder als Metzger in Deutschland viel Geld verdienen kann, ist die einzige (auch wirtschaftlich) hoffnungsvolle Spur durch die Erlebnisse der jungen Menschen. Im Mittelpunkt stehen jedoch ärmliche Verhältnisse, harte landwirtschaftliche Tätigkeiten oder Einkünfte als Metzger oder Waldarbeiter. Der Lebenszusammenhalt wird eher durch unmittelbare Unterstützung Einzelner und sprachkarge Zuneigungen als durch dörflichen Zusammenhalt oder religiöse Sinnstiftung geprägt. – Honek zeichnet ihre (ggf. autobiografisch geprägten) Figuren, ihr Alleingestelltsein oder ihre kargen Beziehungen in einer warmherzigen, von Traurigkeit getränkten Sprache. Deren auch innere Verbundenheit mit der Natur, die Ergebenheit in die Situation stellen mehr Verbindung zwischen den Erzählungen her als ein gemeinsamer Handlungsstrang. Für größere Bestände.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die weißen Nächte
Urszula Honek ; aus dem Polnischen von Renate Schmidgall
Suhrkamp (2025)
160 Seiten
fest geb.