Die Nichtswürdigen
Das irdische Leben ist nach einer Klimakatastrophe nahezu zum Ende gekommen. Die wenigen Überlebenden (Menschen, Tiere, Pflanzen) kämpfen gegeneinander. Die Icherzählerin kann sich in eine Klosteranlage der "Heiligen Schwesternschaft" flüchten.
Diese Rettung stillt zwar Durst und Hunger, konfrontiert aber mit einem brutalen Unterdrückungssystem. Dem einzigen Mann werden die Frauen der obersten Kaste von einer alles dominierenden Oberin zugeführt. Den Frauen unterer Kasten wird der Aufstieg religiös überhöht als motivierendes Heilversprechen angepriesen. Dies gelingt, weil die Frauen vor dem Klosterleben Wetterkatastrophen erlebten und erfahren haben, dass nur durch das Stromausschalten die Übermacht Künstlicher Intelligenz gebannt werden konnte. Für die Icherzählerin ändert eine neue Mitschwester, Lucia, alles. Die erwiderte Zuneigung lässt beide trotz der brutalen Umgebung menschliche Grunderfahrungen wie Liebe und Erbarmen wieder entdecken. – Bazterrica zeigt für die Zeit nach einem apokalyptischen Geschehen eine diktatorische Antwort. Diese Schilderung gelingt packend, aber im Handlungsablauf und in der Schlusspassage nicht stringent, vor allem – anders als z.B. Grillmeyer in "That's life in Dystopia" (BP/mp 24/146) – ohne jede Perspektive. Darum nur für größere Bestände.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Nichtswürdigen
Agustina Bazterrica ; aus dem Spanischen von Matthias Strobel
Suhrkamp Nova (2024)
193 Seiten
fest geb.