Stationen vergessenen Glücks
Jakob Vrell, ein Mann mittleren Alters, zieht sich morgens seine Schuhe an und verlässt das Haus. Er hat einen festen Plan, er klappert bestimmte Lokalitäten ab und verfolgt ein Ziel, das man als Leser nur vermuten kann: er möchte sich wohl das
Leben nehmen. Erst nach und nach, in Gesprächssituationen mit seinen ehemaligen Weggefährten, erfährt man bruchstückhaft, was in seinem Leben alles schief gegangen ist. Er hatte als Student aus Pflichtgefühl das Restaurant seines Vaters übernommen, obwohl er eigentlich Künstler werden wollte. Seine Frau hat ihn verlassen, zu seinen Kindern hat er keine wirkliche Beziehung, sein Restaurant ist insolvent, er hat die Steuerfahndung und eine Klage wegen sexueller Belästigung am Hals. Eine junge Frau, die wie ein Engel erscheint, bringt ihn letztendlich von seinem Vorhaben ab. – Das Buch ist neben der melancholischen Rückschau auf verpasste Chancen und falsche Lebensentscheidungen auch eine kleine Satire auf die Münchner Gastronomie mit ihren pseudo-kumpelhaften italienischen Baristas und korrupten Wirten in Lederhosen.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Stationen vergessenen Glücks
Friedrich Ani
Suhrkamp (2026)
126 Seiten
fest geb.