El Dorado
El Dorado ist kein Mythos, nicht der Fiebertraum geldgieriger Eroberer, sondern eine Stadt, die im Urwald Amazoniens vor 450 Jahren tatsächlich existiert hat. Viele Wegmarken dorthin sind von den Konquistadoren jener Tage beschrieben worden und teilweise
erst kürzlich in Archiven aufgetaucht. Mit Hilfe digitaler Technik und Wagemut könnte man die Überreste finden. Das ist die Leitthese des Wissenschaftsjournalisten Jörg Denzer; er war bereits im Grenzgebiet von Kolumbien und Brasilien, dort, wo er El Dorado verortet. Der Autor verwebt gekonnt Auszüge aus Augenzeugenberichten der Konquistadoren über ihre Beutezüge ins Innere Nord-Südamerikas mit modernen Erkenntnissen und eigener Anschauung vor Ort. Dass er dabei insbesondere auf die Aufzeichnungen des Deutschen Philipp von Hutten referenziert, macht die Lektüre für hiesige Leser noch spannender. – In seiner Mischung aus Geschichtsbuch, Abenteuer- und Entdeckerroman, wissenschaftlich-technischer Akkuratesse und dann wieder journalistisch-satter Erzählweise weiß der Autor zu fesseln. Heinrich Schliemann und Troja grüßen von ferne. Kein Buch für ein breites Publikum, zumal die häufig rasche Abfolge an Details beim Lesen verarbeitet sein will. Wer aber als Leser eine Schwäche fürs Enigmatische mitbringt, wird es verschlingen. Ein Farbklecks im Regal größerer Bestände.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
El Dorado
Jörg Denzer
wbgTheiss (2026)
335, [16] Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig), Karten
fest geb.