Liebe, Krieg und Diplomatie
Die Geschichte der Bronzezeit in der Levante ist das Metier von Eric Cline. Der US-amerikanische Archäologe und Autor hat bereits mit Werken wie „1177 v. Chr.“ (BP/mp 16/34) oder den Schilderungen seiner Ausgrabungen in Megiddo gezeigt, wie spannend
er die vorbiblische Zeit erzählen kann. In seinem neuen Buch schildert Cline parallel die Geschichte von Fund, Übersetzung und Analyse von Keilschriften, den sog. Amarna-Briefen im späten 19. Jh. sowie die Geschichten und Ereignisse, die diese Tontafeln enthalten. Den Abschluss des Buchs bildet eine darauf basierende Analyse der sozialen Netzwerke jener späten Bronzezeit. Cline pflegt einen lebendigen, zugänglichen Stil. Dabei sind seine Zahlen, Daten und Fakten ausgezeichnet recherchiert. Die Zitate aus den Amarna-Briefen werden verständlich aufbereitet und in notwendigem Umfang kontextualisiert. Der Autor brennt für sein Sujet, eine Begeisterung, das den Leser auch über manche Längen hinweglesen lässt. Denn für Einsteiger ohne Vorkenntnisse in Altorientalistik oder auch Ägyptologie ist die Fülle an Details recht fordernd. Auch wenn der Autor einen sympathisch-gewinnenden Stil pflegt, ist dieses jüngste Buch Clines näher an der Fachliteratur denn der Populärwissenschaft. Zudem dürfte die Exotik des Themas den Leserkreis überschaubar halten. Eine Bestandsergänzung für große Büchereien.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Liebe, Krieg und Diplomatie
Eric H. Cline
wbg Theiss (2026)
350 Seiten : Illustrationen, Karten
fest geb.