Die schlechte Gewohnheit
"Ein schlaues Mädchen, nicht geoutet, stotternd, etwas moppelig, mit einer Klappe über dem linken Auge und einer deutlich zu großen Brille." So beschreibt sich die Erzählerin dieses Coming-of-Age-Romans. Sie wächst als zweites Kind (und Sohn)
einer Arbeiterfamilie in einem Vorort Madrids auf. Schon früh macht sie die Erfahrung, im falschen Körper zu sein, zeigt sich aber betont maskulin und versucht, ihre weibliche Seite zu verbergen. Hingezogen fühlt sie sich zu den Außenseiterinnen, den Frauen, die durch ihre Andersartigkeit auffallen, die im Viertel zwar geduldet, aber meist gemieden werden. Als Teenager lernt sie die queere Szene der Großstadt kennen, verliebt sich in einen homosexuellen Jungen, perfektioniert das Versteckspiel, aber das Doppelleben ist nur eines auf Zeit. Mit genauer Beobachtungsgabe und sprachlicher Präzision beschreibt die Autorin eine Welt, in der Liebe und Hass, Solidarität und Diskriminierung, Zuneigung und Gewalt koexistieren. Ein vielversprechendes literarisches Debüt.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Die schlechte Gewohnheit
Alana Portero ; aus dem Spanischen von Christiane Quandt
Claassen (2024)
236 Seiten
fest geb.