Unter Freunden
Amos und Emerson sind Freunde seit High School-Tagen. Emerson stellt später die aus seinem etablierten Milieu stammende Claire dem aus dem Arbeitermilieu entwachsenen Freund vor. Die Freunde, ihre Frauen und ihre Töchter sind über Jahre unzertrennlich.
Die Familien verbringen gemeinsame Wochenenden, bei denen sich im Laufe der Jahre alles immer mehr um die eigene Achse, die eigene Wohlgefälligkeit dreht. Bei Emersons 52. Geburtstag bedrängt dieser – von den anderen unbemerkt – Amos‘ Tochter Anna. Erst Monate später, in denen Anna, ihrer Selbstsicherheit beraubt, sich durch wertmäßig unbedeutende Diebstähle kleine Selbstbestätigungen verschafft, fliegen die aus den Bahnen geraten Beziehungen auseinander: Anna wird bei einem Diebstahl erwischt, Vater Amos kauft sie frei und erfährt auf der Heimfahrt von dem sexuellen Übergriff seines Freundes. Instinktiv glaubt er seiner Tochter, auch weil er die Untiefen solcher rituellen Diebstähle aus der eigenen Biografie kennt. Doch seine Frau Claire glaubt Emerson, der bei einer Konfrontation alles abstreitet. Amos träumt seine Abkehr aus diesem Leben und den aktiven Beistand für seine Tochter, doch er hilft Anna nicht wirklich. Er willigt in das Beruhigungsangebot Claires ein, als Familie einen Monat in Frankreich zu entspannen. – Der thematisch beklemmende Erstling von Hal Ebbott findet eine einfühlsame, unerbittliche Sprache für Missbrauch im Familien- und Freundesumfeld. Diese kontrastiert die Belanglosigkeit und Langweiligkeit des Alltags der Täterseite mit der elementaren Verletzung der Betroffenen und lässt den Lesenden atemlos zurück. Für viele Bestände empfohlen.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Unter Freunden
Hal Ebbott ; aus dem Englischen von Jan Schönherr
claassen (2026)
332 Seiten
fest geb.