Zugvögel

Edvard und Rahel – ein junges Berliner Paar, das im Zweiten Weltkrieg aus Nazi-Deutschland geflohen ist – leben im Pariser Quartier Latin im Exil. Sie erwarten ihr erstes Kind und versuchen, trotz Armut und Unsicherheit, ein neues Leben aufzubauen. Zugvögel Mit dem deutschen Überfall auf Polen werden deutsche Flüchtlinge in Frankreich plötzlich als „feindliche Ausländer“ betrachtet. Während Rahel ihren Sohn zur Welt bringt, wird Edvard denunziert und in das Internierungslager La Macabre gebracht, gemeinsam mit anderen deutschen und österreichischen Emigranten, die vor den Nazis geflohen sind. Im Lager herrschen klaustrophobische Enge, Willkür, Angst und völlige Rechtlosigkeit. Kurz vor der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen im Jahr 1940 wird Edvard entlassen. Gemeinsam mit Frau und Sohn flieht er vor den Besatzern auf einer gefährlichen und entbehrungsreichen Odyssee quer durch Frankreich bis nach Lissabon. Im letzten offenen Hafen Europas erreichen sie ein völlig überfülltes Fracht- und Passagierschiff nach New York, wo die Familie ein neues Leben im amerikanischen Exil erwartet.- Iwan Heilbut, Hamburger Schriftsteller, der selbst im Zweiten Weltkrieg nach Paris floh, lässt in seinem 1943 in New York veröffentlichten Roman eigene Erlebnisse einfließen und verarbeitet das Trauma seiner Entrechtung. Der seit Jahrzehnten weitgehend unbeachtete und fast vergessene Autor verwebt autobiografische Elemente mit historischen Ereignissen und vermittelt dabei tiefe Einblicke in den Alltag der Menschen und ihre Hoffnungen in dieser dunklen Zeit. Heilbut schreibt emotional berührend, mit lebendiger Fabulierlust und epischer Breite. Eindringlich zeigt er, wie Exil und politische Willkür das Leben zerstören können. Der Roman ist eine wertvolle Ergänzung gut ausgebauter Bestände und eignet sich vor allem für historisch interessierte und ausdauernde Leserinnen und Leser.

Günther Freund

Günther Freund

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Zugvögel

Zugvögel

Iwan Heilbut
Claassen (2026)

652 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 626522
ISBN 978-3-546-10159-2
9783546101592
ca. 29,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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