Das Mädchen von San Marco
1604 wird Maryam, die Anführerin einer nur aus Frauen bestehenden Gauklergruppe, von einem umtriebigen Adligen dazu gedrängt, eine junge schwächliche Frau und deren Baby mitzunehmen. Wegen der guten Bezahlung nimmt sie widerwillig den Auftrag an.
Doch als die Frauen in Venedig ankommen, bekommen sie Probleme wegen ihrer Mitreisenden. Die Mutter des Babys ist nämlich die verschollen geglaubte Geliebte eines venezianischen Kaufmannes. Nachdem sie Schiffbruch erlitten hat, wurde sie in den Harem des Sultans von Konstantinopel entführt. Zudem ist ihr Kind eine Missgeburt, die einer Meerjungfrau gleicht - und damit ein Objekt, das dem reichen Ambrosio noch für sein Kuriositätenkabinett fehlt. Während die politische Situation Venedigs weniger thematisiert wird, gelingt Hickman ein Gesellschaftsporträt, in dem die Figuren so charakterisiert sind, dass sie eher exemplarisch für Typen ihrer Zeit stehen, als dass sie psychologisch differenziert gezeichnet wären. Der Plot wartet ständig mit neuen spannenden Elementen auf, sodass dieser Schmöker für einige Stunden unbeschwerter Lektüre sorgt. (Übers.: Maja Ueberle-Pfaff)
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Mädchen von San Marco
Katie Hickman
Marion von Schröder (2011)
378 S.
fest geb.