Der Bauernkrieg
Christian Pantles erfrischend anderer Blickwinkel auf den Bauernkrieg – im Wesentlichen die Jahre 1524/25 – fesselt gleich auf mehreren Ebenen. Der Wissenschaftsjournalist bändigt die komplizierten Abläufe des Konflikts durch die Lebensbeschreibungen
zweier eher unbekannter Kontrahenten in Deutschlands Süden. Die Seite der Aufständischen vertritt der Gastwirt Marten Feuerbacher, der Feldherr Georg Truchsess von Waldenburg streitet für Adel und "Establishment". Entlang dieses roten Fadens werden die, im wahrsten Sinnen des Wortes, Brennpunkte des Bauernkriegs griffig erzählt, auch jene im Elsass, Tirol und Thüringen. – Den Autor zeichnet ein hohes Maß an Fairness gegenüber allen Beteiligten aus, den großen Namen ebenso wie den Akteuren am Rand. Das zeigt sich nicht zuletzt im Angebot unterschiedlicher Interpretationen, wo Taten und Entscheidungen nicht eindeutig interpretierbar sind. Die Ereignisse sind straff und mit Leidenschaft erzählt, ein Erlebnis sowohl für historische Laien wie Kenner der Materie. Meisterlich zeigt Pantle, wie der Bauernkrieg in Deutschland als fernes Echo noch in Grundgesetz und den UN-Menschenrechten widerhallen. – Wer noch wenig zum Thema eingestellt hat, dem sei das Buch wärmstens empfohlen. Es ist Geschichtsliteratur auf der Höhe unserer Zeit, sprachlich wie auch in Bezug auf eine demokratische Erinnerungskultur.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Bauernkrieg
Christian Pantle
Propyläen (2024)
335, [8] Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig), Karten
kt.